Zielsetzung des Rechtschreibtests

Die klassenübergreifende Messung der individuellen Rechtschreibleistung

Üblicherweise werden in Schulklassen Diktate geschrieben. Bei der Auswertung ermittelt man die Fehlerzahlen der einzelnen Schülerinnen und Schüler und erstellt daraus eine Notentabelle für diese Klasse.
Ein Diktat vergleicht somit die Rechtschreibleistungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler innerhalb einer Klasse. In einer anderen Klasse kann die Notentabelle beim gleichen Diktat anders ausfallen.
Die Benotung der individuellen Leistung hängt somit vom Leistungsstand der speziellen Klasse ab.
Der Rechtschreibtest RST 4-7 ermöglicht dagegen einen Vergleich der Rechtschreibleistungen mit insgesamt 12218 anderen Schülerinnen und Schülern. Der RST 4-7 ist somit ein klassenübergreifendes Messinstrument.

 

 

Die Messung des Leistungsstandes der Klasse

Neben der Messung der individuellen Rechtschreibleistung eines einzelnen Schülers kann die Leistung einer Klasse mit 627 weiteren Klassen verglichen werden.

 

 

Die Prognose der Leistung in der Schullaufbahn-Beratung

Bei der Schullaufbahnberatung ermöglicht der Test die Prognose der Rechtschreibleistung beim Wechsel von der Grundschule in die weiterführenden Schulen Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Ebenfalls ist diese Prognose in den Klassen 5-7 beim Wechsel von einer Schulart zur anderen möglich.

 

 

Einsatzbereich

Der Test kann in folgenden Schularten und Klassen eingesetzt werden:
- Grundschule Klasse 4
- Hauptschule Klasse 5, 6, 7
- Realschule Klasse 5, 6
- Gymnasium Klasse 5

Der RST 4-7 wurde in den entsprechenden Klassen von insgesamt 12218 Schülerinnen und Schüler geschrieben und aus diesen Ergebnissen wurden die Normentabellen berechnet.

Für Schularten, in denen nach der 4. Grundschulklasse weiterhin alle Schülerinnen und Schüler einer Jahrgangsstufe gemeinsam in eine Klasse gehen, wurden Gesamtnormen je Jahrgang berechnet:

Gesamtjahrgang Klasse 5, 6, 7

Diese Normentabellen enthalten somit die Leistungen aller Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs. Sie wurden aus den Gesamtleistungen von Hauptschule, Realschule und Gymnasium berechnet, enthalten also die Ergebnisse eines ganzen Schülerjahrgangs.

 

 

Einsatzzeiträume

Für den RST 4-7 wurden pro Schuljahr für zwei Zeiträume geeicht:
- Oktober - Dezember
- Mai - Juli

 

 

Testkonstruktion

Auswahl des Testwortschatzes

Niemand kann die Schreibung aller Wörter unserer Sprache beherrschen. Es sind immerhin einige Hunderttausend. Aber auch niemand braucht die Schreibung aller Wörter zu beherrschen. Die meisten Wörter verwenden wir sehr selten oder nie. Die Wörter aber, die wir häufig benötigen, müssen richtig geschrieben werden können.
Die 100 häufigsten Wörter decken bei Grundschülern schon über 50% aller laufenden Texte ab (Mahlstedt, Augst, Meier). Wer sie beherrscht, kann schon die Hälfte dessen, was er dauernd benötigt, richtig schreiben.
In der Fehleranalyse von Menzel (1985), er analysierte 20200 Fehler in Aufsätzen, machten die 120 häufigsten Fehlerwörter 31,4% aller Fehler aus. Durch ein Beherrschen dieser 120 fehlerträchtigen und relativ häufig vorkommenden Wörter könnte also etwa 1/3 der Fehler vermieden werden.
In einer eigenen Untersuchung an 36747 Fehlern entfielen auf die 346 fehlerträchtigsten Wörter 52,9% aller Fehler.
Der RST 4-7 Test ermittelt das Beherrschen eines Teils der häufig auftretenden und gleichzeitig fehlerträchtigen Wörter.

 

 

Der Schwierigkeitsgrad

Der Schwierigkeitsgrad gibt an, wie viel Prozent der Schülerinnen und Schüler das jeweilige Wort falsch schreiben.
Im Handbuch wird der Schwierigkeitsgrad pro Item angegeben.

 

 

Die Trennschärfe

Die Trennschärfe gibt an, wie weit ein Item zwischen orthographisch guten und schwachen Schülerinnen und Schülern differenziert. Wird ein Wort überwiegend von den Schülern richtig geschrieben, die die meisten anderen Testwörter auch richtig schreiben und von denen falsch, die auch bei den andern Wörtern viele Fehler machen, so besitzt es eine hohe Trennschärfe.

Die Trennschärfe wird als Korrelationskoeffizient angegeben. Ein Korrelationskoeffizient gibt den Zusammenhang zwischen zwei Faktoren an. Er kann die Werte von -1 bis +1 annehmen.
Ein Wert von -1 würde bedeuten, dass das Wort von den Teilnehmern der Eichstichprobe, die sonst die meisten Wörter richtig schreiben, falsch geschrieben wurde. Ein Wert von +1 würde bedeuten, dass das Wort von den Teilnehmern, die sonst die meisten Wörter richtig schreiben, ebenfalls richtig geschrieben wurde. Bei einem Wert von 0 würde kein Zusammenhang bestehen.
Die Trennschärfe der einzelnen Items wird im Handbuch aufgelistet.

 

 

Methodische Gütekriterien sozialwissenschaftlicher Messungen

Objektivität

Durchführungsobjektivität

Eine Messung ist objektiv, wenn die Messergebnisse unabhängig sind von der Person des Testers, wenn also verschiedene Testleiter zu gleichen Ergebnissen kommen. Der Einfluss des Testleiters auf die Testergebnisse sollte also möglichst ausgeschaltet werden.
Um subjektive Einflüsse des Testleiters auszuschließen muss die Durchführung immer unter gleichen Bedingungen erfolgen. Beim RST 4-7 ist dies bei Beachtung der Durchführungsanleitung gewährleistet.

Auswertungsobjektivität

Die Auswertungsergebnisse sollten unabhängig sein von der Person des Auswerters. Schwierig in dieser Hinsicht kann z.B. die Bewertung von Aufsätzen sein. Bei der bloßen Unterscheidung zwischen Richtig- und Falschschreibungen, wie sie für den RST 4-7 erforderlich ist, lässt sich die Auswertungsobjektivität relativ leicht gewährleisten. Wichtig ist auch hier die genaue Beachtung der Auswertungsanleitung des RST 4-7, in der festgelegt wurde, was als richtig oder falsch zu werten ist.

 

 

Reliabilität (Zuverlässigkeit)

Unter Zuverlässigkeit oder Reliabilität einer Messung versteht man den Grad der Sicherheit oder Genauigkeit, mit dem ein bestimmtes Merkmal gemessen werden kann.
Für den RST 4-7 wurde die Halbierungszuverlässigkeit berechnet. Sie wird als Korrelationskoeffizient angegeben. Die Halbierungszuverlässigkeit beträgt durchschnittlich 0.8. Die zwei Testhälften korrelieren in hohem Maß, der Test misst genau.

 

 

Validität (Gültigkeit)

Bei der Gültigkeit eines Verfahrens geht es darum, ob tatsächlich das gemessen wird, was der Test zu messen beansprucht. Er könnte ja auch etwas ganz anderes messen.
Für den RST 4-7 besteht Inhaltsgültigkeit. Die Testaufgaben (Wörter) stimmen inhaltlich mit dem zu testenden Merkmal (Rechtschreibfähigkeit) überein.

 

 

Vergleich der einzelnen Klassen und Schularten

Sehr interessante Ergebnisse bringt der Vergleich der einzelnen Schularten.

 

Mittelwert
(Anzahl durchschnittlich pro Klasse richtig geschriebener Wörter)

Schulart

Eichzeitraum

Klasse 4

Klasse 5

Klasse 6

Klasse 7

Grundschule

Mai-Juli

40,2

 

 

 

Hauptschule

Oktober-Dezember

 

32,0

37,0

40,1

Realschule

Oktober-Dezember

 

40,4

46,6

49,3

Gymnasium

Oktober-Dezember

 

48,9

52,9

55,6

 

Die Tabelle zeigt die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Schularten und Klassen. In den Zeilen sind die Verbesserungen der Klassen von Schuljahr zu Schuljahr zu sehen, die Spalten lassen einen Vergleich der einzelnen Schularten zu.
In der Hauptschule steigen die Mittelwerte von 32,0 in der 5. Klasse auf 40,1 in der 7. Klasse. Die Realschule fängt in der 5. Klasse mit 40,4 an, dies ist fast der gleiche Wert, den die Hauptschule in der
7. Klasse erreicht. Das Gymnasium beginnt in der 5. Klasse mit 48,9, dies entspricht wiederum dem Wert, den die Realschule in der 7. Klasse erzielt.


 

Prognose der Leistungen
beim Übergang auf andere Schularten

Wie die Mittelwertsunterschiede der obigen Tabellen zeigen, sind die Leistungsunterschiede zwischen den Schularten groß. Die Kenntnis der Leistungshöhe der einzelnen Klassen in den einzelnen Schularten ermöglicht nun eine Vorhersage der Leistung beim Übergang von der Grundschule in weiterführende Schularten oder beim späteren Wechsel der Schulart.

Beispiel: Ein Schüler erreicht am Ende der 4. Klasse (im Eichzeitraum Mai – Juli) mit 41 richtig geschriebenen Wörtern einen Prozentrang von 48 (T-Wert: 50). Nach einem Übergang auf die Hauptschule wird derselbe Schüler im nächsten Schuljahr (im Eichzeitraum Oktober – Dezember) einen Prozentrang von76 (T-Wert: 57) erzielen, in der Realschule einen Prozentrang von 50 (T-Wert: 50) und im Gymnasium einen Prozentrang von14 (T-Wert: 39).

Gemäß den Vorschlägen zur Zuordnung von Prozenträngen zu Noten im Kapitel Interpretation würde ein Hauptschüler für diesen Leistungsstand eine Note im Bereich von 2 bis 2,5 erhalten, der Realschüler eine 3 oder 3,5 und der Gymnasiast wäre im Bereich von 4,5 bis 5.
Eine derartige Prognose ist natürlich ebenso bei einem späteren Wechsel der Schulart möglich.

 

 

Leistungsvergleich zwischen Mächen und Jungen

Mädchen schneiden in sprachlichen Tests grundsätzlich besser ab als Jungen. Dies trifft auch auf den RST 4-7 zu. Die folgende Tabelle zeigt die Mittelwerte (Anzahl der durchschnittlich richtig geschriebenen Wörter) der Grundschule und Hauptschule.

 

Mittelwerte

N

Schulart

Klasse

Eichtermin

Mädchen

Jungen

Differenz

Mädchen

Jungen

Grundschule

4

Mai-Juli

42,4

38,0

4,5

472

452

Hauptschule

5

Okt.-Dez.

34,9

29,7

5,2

280

342

5

Mai-Juli

36,1

29,4

6,7

247

298

6

Okt.-Dez.

39,7

34,7

5,0

286

357

6

Mai-Juli

41,4

35,1

6,3

211

265

7

Okt.-Dez.

43,2

38,0

5,2

273

397

7

Mai-Juli

42,2

39,1

3,2

196

237

Die Mädchen schreiben also zwischen 3,2 und 6,7 Wörter mehr richtig als die Jungen.

 

 

Eichung

Die Eichstichprobe sollte ein verkleinertes Abbild der Zielgruppe sein, für die der Test konzipiert ist.
Sie muss also die Zielgruppe repräsentieren, für die die Normentabellen gelten sollen.
Ein nur in Bayern geeichter Test wäre beispielsweise nicht repräsentativ für alle anderen Bundesländer, denn zwischen den einzelnen Bundesländern können Leistungsunterschiede bestehen.
Die Auswahl der Eichstichprobe kann also einen Einfluss auf die Ergebnisse der Eichung haben.
Die Durchführung der Eichung muss deshalb dargelegt werden.

 

 

Für welche Klassen und Schularten wurde der Test geeicht?

Durchgeführt wurde die Eichung in den Schulformen Grundschule (4-jährig), Hauptschule, Realschule und Gymnasium der alten Bundesländer. Weitere Schulformen wurden nicht berücksichtigt.

Für weitere Schularten, bei denen alle Schüler eines Jahrgangs ab Klasse 5 die gleiche Schulform besuchen, haben wir eine eigene Normentabelle berechnet, eine Gesamtnormentabelle. Sie enthält die Ergebnisse von Hauptschule, Realschule und Gymnasium, also die Ergebnisse aller Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs.

 

 

Eichzeitraum und
Einsatzzeitraum

Die Eichung des RST 4-7 wurde für den Zeitraum Oktober bis Dezember und für den Zeitraum Mai bis Juli durchgeführt. Entsprechend kann der Test in diesen Zeiträumen eingesetzt werden.
Die Eichung fand in den Jahren 2002 und 2003 statt.

 

 

Anzahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler und Klassen

Insgesamt nahmen 12218 Schülerinnen und Schüler an der Eichung teil. Sie schrieben also diesen Test, die Ergebnisse wurden erfasst und daraus die Normentabellen berechnet.
Für die Erstellung der Normen wurden nur die Tests von Schülerinnen und Schülern mit deutscher Muttersprache ausgewertet. Entsprechend gelten die Normen nur für Schülerinnen und Schüler mit deutscher Muttersprache. Separate Normen für die Schülerinnen und Schüler mit fremder Muttersprache wurden nicht berechnet, die Gruppen sind zu heterogen.

Die Anzahl der teilnehmenden Klassen betrug 627.

 

 

Verteilung der Eichstichprobe innerhalb Deutschlands

Es wurde auf eine gleichmäßige Verteilung der Eichstichprobe auf die Postleitzahlbereiche 2 bis 9 geachtet. Damit werden auch die einzelnen Bundesländer abgedeckt.

 

 

Normentabellen

Der RST 4-7 enthält 52 Normentabellen.
Normentabellen zur Ermittlung der individuellen Leistung für:
Grundschule Klasse 4
Hauptschule Klasse 5, 6, 7
Realschule Klasse 5, 6, 7
Gymnasium Klasse 5, 6, 7
Gesamtnormen pro Jahrgangsstufe Klasse 5, 6, 7
Normentabellen zur Ermittlung der gesamten Leistung der Klasse für:
Grundschule Klasse 4
Hauptschule Klasse 5, 6, 7
Realschule Klasse 5, 6, 7
Gymnasium Klasse 5, 6, 7
Gesamtnormen pro Jahrgangsstufe Klasse 5, 6, 7
Diese Normentabellen existieren jeweils für den Zeitraum Oktober - Dezember und Mai - Juli.